Die Triathlon-Überfliegerin Nicola Spirig war an der Herbstversammlung des Industrie- und Handelsvereins Olten Gastrednerin. Dabei verriet sie, warum sie am Tag des Olympia-Triathlons eine Tafel Schokolade zum Frühstück ass und wie ihr Trainer tickt.

Dass die Triathlon-Berufssportlerin Nicola Spirig auch abseits des sportlichen Parketts eine gute Figur macht, bewies sie am Dienstagabend an der Herbstversammlung des Industrie- und Handelsvereins Olten und Umgebung. Die Olympiasiegerin von London 2012 verriet im proppenvollen Oltner Stadttheater, welches ihre Zutaten für das Erfolgsrezept waren, das sie vor einem Jahr an den Sommerspielen zum grössten Triumph ihrer Karriere gebracht hat: ein Ziel, ein unbändiger Wille, ein wohlwollendes Umfeld, mentale Stärke oder etwa ein akribischer Plan.

Der grosse Plan von Nicola Spirig, der sie zum Titel führen sollte, beinhaltete jedes noch so kleine Detail – etwa auch die Tafel Schokolode zum Frühstück. Nichts Unvorbereitetes sollte die Schweizer Sportlerin 2012 am Tag X ereilen. «Am Tag des Olympia-Wettkampfes musste ich um 5 Uhr aufstehen und eine Tafel Schokolade und eine Banane essen – das wusste ich Monate im Voraus.» Deshalb habe sie die frühe Tagwache und das spezielle Frühstück immer wieder in ihren Trainingsalltag integriert. Aber warum eigentlich Schokolade zum Zmorge? «An einem solchen Tag ist man derart nervös, dass es schwerfällt, zu essen. Ich musste meinem Körper trotzdem Energie zuführen. Weil 100 Gramm Schokolade 500 Kalorien aufweist, war es das ideale Zmorge.» Schmunzelnd fügte sie an: «Aber selbst als Schoggiliebhaberin fiel mir das nicht ganz leicht.»

Neben der Schokolade brauchte Nicola Spirig für ihr grosses Ziel aber auch eine «konsequente Bereitschaft zur Weiterentwicklung», wie sie erklärte. Auch deshalb beendete sie 2006 die Zusammenarbeit mit ihrem Vater, der bis dahin ihr Trainer war. Sie verliess also die Komfortzone, um mit ihren Weg mit der australischen Triathlon-Trainergrösse Brett Sutton weiterzugehen. «Damals prallten wirklich zwei Welten aufeinander», beschreibt Spirig die Anfänge dieses Teamworks.

Um zu zeigen, wie Erfolgscoach Brett Sutton tickt, schilderte Spirig ihre erste Begegnung mit ihm nach dem Zieleinlauf in London. «Noch bevor er mir gratulierte, sagte er mir, wie schlecht mein Sprint war.» Zudem habe er sie für den folgenden Tag um 8 Uhr zum Schwimmtraining aufgeboten, mit den Worten: «Die Schwimmleistung war nicht gut. Im Hinblick auf Rio 2016 müssen wir hart daran arbeiten.»

Wenn das Publikum die Luft anhält

In ihrem rund 45-minüten Vortrag ging Spirig auch auf ihr Umfeld ein. So verdanke sie etwa ihren Eltern, die beide von Beruf Sportlehrer waren, dass sie schon früh Spass an der Bewegung gefunden habe. Mit einigen kurzen Filmbeiträgen aus ihrer Jugend, etwa Klein-Spirig auf den Skiern oder beim Korbball, verdeutlichte sie dies. Bei diesen Sequenzen war den Zuschauern noch zum Lachen zumute.

Als Spirig jedoch später Filmausschnitte ihres Olympiasiegs und den Zielsprint, den sie nur mit wenigen Sekundenbruchteilen Vorsprung für sich entscheiden konnte, zeigte, hielt das Publikum den Atem an. «Wenn ich das sehe, kriege ich noch heute Hühnerhaut und hoffe jedes Mal, dass es wieder für den Sieg reichen möge», kommentierte Spirig und erhielt dafür spontanen Applaus.

Zur Bildgalerie (Fotoquelle: Stadtanzeiger Olten - AZ Anzeiger AG)